Kurt Mondaugen Männchen    Die Gedichte

  • für paul fröhlich

  • Heiligendamm

  • Anna-Bolika-Sinfonie


  • Herbst-89-Erinnerungsgedicht

    Wenn ich sterbe

    Wenn ich sterbe
    möchte ich, dass irgendwer
    was kleines Ostdeutsches zu mir
    sagt - so wie:
    „Jeder jeden Tag
    mit guter Bilanz!”
    oder: „Spaniens Himmel
    breitet seine Sterne”
    „Messe der Meister von Morgen”
    oder: „Goldbroiler”
    oder: „Guten Tag,
    Ministerium für Staatssicherheit,
    kommen Sie mal bitte mit!”
    Da würde ich mich gleich ganz
    wie zu Hause fühlen
    bei den Toten

    Kurt Mondaugen 2009


  • Herbst

    Wir spüren den Nebel
    Wir ziehen unsere Fische
    Eilig durch die Dämmerung
    Sie hängen an langen Schnüren
    Und beteuern
    Ihre Unschuld
    Aber wir wissen
    es besser!

  • Verwandlung

    Dieser Sommer,
    Der sich ins Endlose weitet
    Wie deine Schenkel
    Im Morgengrauen
    Über der Stadt
    Tritt der Vogel
    In die Fußstapfen
    Des Milchbarts
    Hinter deiner Tür
    Husten die Wölfe
    Ihr schwarzes Gebet
    Das kommt davon
    Sagst du und wechselst
    Deinen Erscheinungsort

  • Nach der Brause-Liebe

    Auf der Wiese träumst du still
    Wo ich dich begehren will
    Zwischen Zwitschergras und Binsen
    Lass den Junimond dich finden
    Und er sichle meinen Schmerz
    In dein Bitterlemonherz!



  • Atlantique

    Nächtens in den Wanderdünen
    Lag ich lauschend tief nach Süden
    Zwischen Muscheln alter Lüste
    träumt ich deine goldnen Brüste

    Eilten durch das Mondgestrüpp
    - Möwenschrei! Molluskenglück! -
    und stürzten sich ins dunkle Meer
    mein Delfin tauchte hinterher

    nun irrt er durch sechs Ozeäne
    folgt Hering, Matjes und Muräne
    durch Schaum und Tang und schwarze Gischt
    wischt sich die Tränen vom Gesicht
    jedoch allein: es nutzt ihm nischt!

  • Auf und davon

    Du bist abgereist,
    flüstern erschrocken
    meine verwirrten gedichte
    und der schmerz sticht ihnen
    durch Reim und Rhythmus
    denn
    sie erreichen dich nicht mehr
    fiebrig und schmalbrüstig
    hocken sie
    wie blasse nebelkrähen
    in einer
    herbstrobinie
    und beobachten
    den windigen mond,
    der im neoprenanzug
    über den himmel schleicht
    für immer
    - auf und davon!

  • Das blaue Gedicht

    Auflauernd
    Deinen Brüsten
    Die übers Wasser gleiten
    Wie blaue Irrwische
    Steh ich am Ufer
    Und sage Gedichte auf
    Gegen die Brandung
    Durch meine dürren Hoden
    Pfeift der Wind

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